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Informationen und Hintergründe zum Derby 9.268 vom 07.10.2019, 09:15 Uhr


Leipziger Stadtderby: Wie die Rivalität zwischen Lok und Chemie entstand

vom 07.10.2019, 09:15 Uhr

Das Stadtderby zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem 1. FC Lokomotive Leipzig wirft seine Schatten voraus. Allerdings werden - wie beim Derby im Dezember 2018 - keine Lok-Fans in Leutzsch anwesend sein. Nachdem die Behörden und der NOFV nur 250 Gästefans zum Stadtderby zulassen wollten, verzichtete Lok Leipzig zum zweiten Mal in Folge auf Tickets für das Stadtderby im Alfred-Kunze-Sportpark. 

Chemie Blockfahne und Rauchkometen beim Derby gegen Lok | Bildquelle www.diablos-leutzsch.net

Die Rivalität zwischen beiden Vereinen bzw. deren Vorgängervereine geht in DDR-Zeiten zurück und beruht auf eine einzigartige Situation: Bis zur Gründung von Mateschitz' Brause-Clubs konkurrierten die beiden unterklassigen Vereine um die Vorherrschaft in der Stadt Leipzig.

Während sich die SED-Regierung bei der Förderung des Leistungssports auf Lok Leipzig konzentrierte, wurde die BSG Chemie regelrecht benachteiligt. Chemie musste die guten Spieler an Lok abgeben und fungierte somit in gewisser Weise als Ausbildungsverein für Lok. Da Chemie im Jahre 1964 überraschend Oberliga-Meister wurde, stand Chemie für den Widerstand gegen das System, weshalb die Sympathien eher bei Chemie lagen.

Allerdings verlagerte sich in den 80-ger Jahren die Vormachtstellung in der Stadt, da die Lokomotive den DDR-Fußball im Europapokal vertrat und mehr Zulauf bekam. In Erinnerung wird auch die legändere Schlägerei von 1983 bleiben: 300 Lok-Fans konnten sich gegen 1000 Chemiker verteidigen. Nach der Wiedervereinigung trennten sich die Wege der beiden Vereine - bis sie ab 1998 wieder regelmäßig in den Amateurligen aufeinandertrafen.

Nachdem bei beiden Fanlagern Ultrà-Gruppierungen entstanden, verschärfte sich die Rivalität. Immer häufiger kam es zu Aktionen und Aufeinandertreffen zwischen Lok-Hools und linken Chemie Ultras, die zunehmend gewaltsam waren. Trauriger Höhepunkt der Gewaltspirale geschah im Jahre 2007, als Lok-Hools eine Chemie-Weihnachtsfeier stürmten und eine Person durch eine Schreckschusspistole schwer verletzt wurde.

Lok-Fans bei Chemie Leipzig im November 2016 | Bildquelle www.lok-fans.de

Nun treffen am Sonntag um 13:05 Uhr (live im MDR) beide Mannschaften zum ersten Mal seit Dezember letzten Jahres aufeinander. Die Lok-Fans werden sich bereits um 8 Uhr am Völkerschlachtdenkmal treffen, die Mannschaft verabschieden und anschließend das Derby beim Public Viewing im Bruno-Plache-Stadion verfolgen.

Die Fans von Chemie Leipzig werden sich hingegen um 10:30 Uhr am Leutzscher Rathaus treffen und gemeinsam zum Alfred-Kunze-Sportpark marschieren. Ein um 9 Uhr ausgerufener Treffpunkt am Völkerschlachtdenkmal erwies sich als Finte, um die zahlreichen Repressionen der Sicherheitsbehörden ad absurdum zu führen. 

Stellungsnahme der Diablos Leutzsch zum Derby: 

Stellungsnahme der Diablos Leutzsch | Bildquelle www.diablos-leutzsch.net


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