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Spruchbänder gegen Dietmar Hopp 151.517 vom 01.03.2020, 09:17 Uhr


Schickeria München nimmt zu Dietmar Hopp - Spruchband Stellung

vom 01.03.2020, 09:17 Uhr

Beim Spiel zwischen der TSG Hoffenheim und Bayern München zeigten die Schickeria München in der 65. Minute ein Spruchband mit der Aufschrift „Alles beim Alten: Der DFB bricht sein Wort, Hopp bleibt ein H****sohn!“ in Richtung DFB und Dietmar Hopp, weshalb die Partie unterbrochen wurde und Hansi Flick mit einigen Spielern zum Gästeblock eilten. 

Spruchband der Bayern-Fans gegen Dietmar Hopp | Bildquelle Twitter @regionalkapital

10 Minuten nach dem das Spiel beim Stand von 0:6 wieder angepfiffen wurde, beleidigten die Red Fanatics Dietmar Hopp mit einem weiteren Spruchband ("Du Hurensohn"), weshalb die Partie abermals unterbrochen wurde. Nachdem wieder einige Bayern-Funktionäre zum Gästeblock geeilt waren, um die Bayern-Fans zu mäßigen und sich die Spieler zwischenzeitlich in die Katakomben des Stadions zurückgezogen hatten, wurde das Spiel wieder angepfiffen. Allerdings schoben sich die Spieler beider Mannschaften die letzte viertel Stunde nur noch locker den Ball hin und her. 

Die Schickeria München hat bereits am Samstagabend Stellung zum gezeigten Spruchband in Hoffenheim Stellung bezogen.  In der Spruchbandserklärung heißt es: 

Wir haben heute in einem Spruchband das Wort „Hurensohn“ verwendet. Das ist normalerweise nicht unser Sprachgebrauch, wäre per se aber auch nicht erwähnenswert. Während eines Fußballspiels fallen solche und ähnliche Worte nämlich recht häufig. Man kann da ja beispielsweise mal bei den Fans von Borussia Dortmund nachfragen, die jedes Spiel als „BVB Hurensöhne“ betitelt werden oder halt bei Timo Werner. Alternativ auch mal im eigenen Verein bei Uli Hoeneß oder Oliver Kahn, die häufig aufs übelste beschimpft wurden.

Zum großen Thema wurde das Wort erst als mit u.a. diesem Wort auf zuspitzende, polemische Art und Weise Kritik an dem Modell Hoffenheim und dessen Protagonisten Dietmar Hopp geübt wurde.
An dieser Stelle muss man auch festhalten, dass wir unsere Kritik hieran bisher immer auf eine andere Art und Weise artikuliert haben. Herr Hopp hat unter anderem durch das verwenden von Störgeräuschen, die bei einigen BVB-Anhängern Schmerzen hervorrufen, allerdings die Spirale selbst erheblich weitergedreht und einen Privatkrieg mit verschiedenen Fanszenen angezettelt.
Dies führte über mehrere Eskalationsstufen dazu, dass das DFB-Sportgericht den Fans des BVB für zwei Spiele den Besuch der Auswärtsbegegnung bei Hoffenheim verbat. Damit hat der DFB sein Wort, zukünftig von Kollektivstrafen abzusehen, gebrochen. Auch wenn uns die Strafe nicht betrifft und das Thema Hopp für uns nicht so eine starke Relevanz hat, sehen wir hierin einen Angriff auf Fanrechte im allgemeinen. Es ist für uns ein Affront, den wir nicht unbeantwortet lassen können.

Man muss den Wortlaut nicht gut heißen, aber es gab für uns hierzu keine Alternative, da nur so das Thema die nötige Aufmerksamkeit erhält.

Will man zukünftig immer wenn solche Beleidigungen auf der Zuschauertribüne geäußert werden, Fußballspiele ab- oder unterbrechen, wird man keine Partie mehr über 90 Minuten spielen können. Die Unterbrechung heute war einfach nur überzogen und absurd.

Fußball bleibt dreckig – Fans bleiben rebellisch – Gegen Kollektivstrafen – Fick dich DFB!

Schickeria München

Indessen denkt der FC Bayern über drastische Maßnahmen gegen die Schickeria nach. Die Schickeria wurde 2014 vom DFB noch wegen ihres gesellschaftlichen Engagements mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Zuletzt hatten sie auf die Missstände in Qatar aufmerksam gemacht und den FC Bayern dafür kritisiert, dass er Jahr für Jahr ins Trainingslager nach Qatar reise. 

Ob es auch Konsequenzen für den Münchener Fanclub Red Fanatic geben wird, bleibt fraglich. Dieser hatte das Spruchband "Du Hurensohn" gezeigt, wobei die Letter DH (die Initialien von Dietmar Hopp) blau hervorgehoben wurden. Mittlerweile haben sich auch Red Fanatic zu Wort gemeldet: 

Dass unser Spruchband gestern beim Spiel gegen Hoffenheim sicherlich für mediale Aufmerksamkeit sorgen würde, war uns klar und folglich bewusst gewählt. Bei der Wortwahl handelte es sich nicht um unseren üblichen Stil, sondern um einen eindeutigen Bezug zu dem sanktionierten Spruchband der Dortmunder. Was sich aber bereits während des Spiels als unmittelbare Reaktion zugetragen hat, mündete in einer absurden Handlungskette von realitätsferner und undifferenzierter Einordnung bis zu möglichen scheinheiligen Konsequenzen. Die fragwürdigen Ereignisse der letzten Tage – mit der drastischen Kollektivstrafe für die folgenden beiden Partien gegen die Dortmunder Fans in Sinsheim – verdeutlichen weiter vor allem die Ambivalenz des Deutschen Fußball-Bundes.

Die Meinung vieler Fans zur Thematik rund um den von Dietmar Hopp hochgezogenen Verein und seiner Person selbst und daran anknüpfende Kritik, in welcher Form auch immer,dürfte seit Jahren bekannt sein. Abgesehen von wenigen Fanszenen wurde die Kritik in den letzten Jahren ohnehin deutlich reduziert. Zuletzt konzentrierte man sich vielfach mit seinen Protesten auf den Ableger des Red-Bull-Konzerns aus Leipzig. Insbesondere die Fanszene von Borussia Dortmund zeigte jedoch weiterhin bei jedem Aufeinandertreffen, was sie von Herrn Hopp hält. Dies mündete in den letzten Jahren in einem Kleinkrieg zwischen beiden Parteien, der durch die Reaktionen des gekränkten Mäzen weiter befeuert wurde. Für zahlreiche Fanszenen war nun, in Form der ausgesprochenen Kollektivstrafe gegen die gesamte Dortmunder Anhängerschaft, eine Grenze überschritten worden, dessen logische Konsequenz in den vielerorts gezeigten Solidaritätsbekundungen lag.

Unabhängig von den Gründen unserer Abneigung und der derben Wortwahl, welche man nicht teilen muss, sind wir vor allem von den undifferenzierten und völlig überzogenen Reaktionen auf allen Ebenen entsetzt. Dass der DFB sich von einem Mäzen beeinflussen lässt und seine Versprechungen auf Kollektivstrafen zu verzichten bricht, überrascht nur wenig. Dies ist nur noch einmal mehr Ausdruck der verschwindend geringen Wertschätzung selbst getätigter Versprechen von Verbandsseite. Bedeutend erschreckender ist allerdings die Vollendung, der rund zehn Jahre alten Forderung Hopps, Kritik an seiner Person sowie „seinem“ Verein, mit rassistischer Diskriminierung gleichzusetzten und dementsprechend zu ahnden. Dies zieht zum einen die Verharmlosung und Verhöhnung von Opfern tatsächlicher rassistischer Anfeindungen und Gewalttaten nach sich und verdeutlicht zum anderen das eklatante Versagen des Verbands im Nachgang derartiger Vorfälle. Zwischen der Ernennung Integrationsbeauftragter und medienwirksamer Image-Kampagnen demonstriert der DFB zudem viel mehr in regelmäßigem Abstand ein einfältiges Desinteresse an klaren Handlungskonzepten gegen Diskriminierung. Stattdessen haben sich die Bemühungen um Passivität und Verharmlosung auf diesem Gebiet gesellschaftlicher Verantwortung längst durchgesetzt. Die noch sehr präsenten Fälle der rassistischen Äußerungen des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden, Clemens Tönnies und die Diskriminierung des Herthaner Spielers Jordan Torunarigha und die jeweiligen „Konsequenzen“ seien dabei nur bespielhaft genannt.

Eine bloße Beleidigung, aktuell häufiger als „Schmähung“ bezeichnet, in Form von Spruchbändern oder Gesängen mit rassistisch motivierten Taten zu vergleichen, ist schlichtweg schwachsinnig. In fehlender Gradlinigkeit üben sich zudem auch Medien, Verantwortliche und Spieler. Aufgebrachte Kommentare und Appelle zu mehr Toleranz über soziale Medien oder durch Stellungnahmen lassen jegliche Selbstreflexion vermissen. Fehlende klare Bekenntnisse oder aktives Engagement gegen Antisemitismus, Homophobie und Rassismus stehen demgegenüber aber allzu selten auf der Agenda. Statt leerer Worte sollten auch Taten folgen. Eine Absetzung des jährlichen Trainingslagers in einem homophoben und menschenverachtenden Land wie Katar wäre ohne Frage ein Anfang des FC Bayern. Dementsprechend freuen wir uns in Zukunft auf eure regen Anteilnahmen und Statements als Reaktion etwa auf rassistische Worte und Taten und eben nicht nur bei der Beleidigung einer milliardenschweren Einzelperson. Weltoffenheit und Ehrlichkeit kann nicht nur einseitig gefordert, sondern muss auch gelebt werden! Wir können nur hoffen, dass die bedeutenden und wichtigen Fehlstände in unserem Fußball endlich erkannt werden! 

Red Fanatic München

Am Sonntag Mittag hat sich auch der Club Nr. 12 - die Vereinigung aktiver Bayern-Fans zu Wort gemeldet. In der Stellungsnahme heißt es: 

Servus,

zu den Vorkommnissen beim gestrigen Spiel in Sinsheim nehmen wir wie folgt Stellung:

Der Club Nr. 12 versteht sich als die Vereinigung der aktiven Bayernfans. An dieser Stelle der Vollständigkeit halber noch einmal: Der Club Nr. 12 distanziert sich ausdrücklich von jeder Form von Rassismus, Sexismus, Homophobie und Diskriminierung.

Die optischen Aktionen des Club Nr. 12 haben sich beim gestrigen Auswärtsspiel auf die Choreographie zum 120. Geburtstag beschränkt. Die gezeigten Spruchbänder stammen nicht vom Club Nr. 12. Der Club Nr. 12 distanziert sich von den gezeigten Beleidigungen.

Die anschließenden Reaktionen („hässliche Fratze des Fußballs“, Tag X“ usw.), sind allerdings übertrieben und unglaubwürdig. Bei fast jedem Spiel in der Bundesliga und auch weit darunter gibt es Spruchbänder und Banner. Oft genug leider mit beleidigendem Inhalt.

Auch die persönliche Meinungsäußerung vieler Stadionbesucher zeichnet sich nicht selten durch Beleidigungen aus. Solche Beleidigungen werden im Fußballalltag als selbstverständlich hingenommen und sind bei fast jedem Fußballspiel präsent (z.B. wird Timo Werner nicht selten als Hurensohn besungen, BVB-Hurensöhne erklingt an fast jedem Spieltag).

Das ist selbstverständlich kein Freifahrtschein für Beleidigungen aller Art, aber eben wichtig für die Gesamtbetrachtung. Es ist aus unserer Sicht durchaus zu hinterfragen, aus welchen Gründen nun aufgrund Beleidigungen einer einzelnen Person Exempel statuiert und sogar die vom DFB noch vor wenigen Monaten aufgehobenen Kollektivstrafen wieder eingeführt werden (Dortmunder Fans sind für mindestens 2 Jahre aus Hoffenheim verbannt).

Gerade in den letzten Wochen hätte es genug rassistische und sexistische Vorfälle in deutschen Fußballstadien gegeben, bei denen man ein Exempel hätte statuieren können. Man denke etwa an die Beleidigungen von Torunarigha beim DFB-Pokal Schalke gegen Hertha oder von Kwadwo in Münster. In beiden Fällen gab es aber gerade keine Spielunterbrechungen, auf Schalke noch nicht einmal eine Stadiondurchsage. Wenn es aber um einen Mäzen geht, dessen Unternehmen rein zufällig auch noch ein wichtiger und finanzstarker Partner des DFB ist, soll nun eine Grenze überschritten sein.

Sollten DFB und DFL künftig mit gleicher Konsequenz gegen jedwede diskriminierende, beleidigende, rassistische, homophobe, antisemitische und sexistische Äußerungen vorgehen, hätte der gestrige Tag – neben dem fantastischen Fußball unserer Mannschaft in den ersten 75 Minuten – einen weiteren positiven Aspekt.

Club Nr. 12

Die aktuelle Entwicklung rund um die Causa Hopp wird in diesem Artikel eingeordnet. 

Bildquelle Titelbild: allianz-arena.com

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