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Polizeieinsatz gegen Werder-Fans 7.907 vom 08.08.2022, 09:02 Uhr


Wie die Polizei Wolfsburg den Polizeieinsatz gegen Werder-Fans begründet

vom 08.08.2022, 09:02 Uhr

Im Vorfeld des Bundesliga-Spiels zwischen dem VfL Wolsburg und Werder Bremen hat die niedersächsische Polizei die anreisenden Werder-Fans mit einer umfangreichen polizeilichen Maßnahme unterzogen. Die Polizei richtete am Hauptbahnhof Wolfsburg eine Kontrollstelle ein und hinderte die Fans daran, sich frei zu bewegen. Per Lautsprecherdurchsage wurde darauf hingewiesen, dass für sie eine so bezeichnete „Aufenthaltsverbotszone“ für das Wolfsburger Stadtgebiet gelte, die nur in Begleitung der Polizei durchquert werden dürfe.

Polizei Einsatz in Wolfsburg | Bildquelle Grün-Weiße Hilfe

Die Fans waren somit vor die Wahl gestellt, das Spiel nicht besuchen zu können oder eine rechtlich fragwürdige Kontrollmaßnahme über sich ergehen zu lassen. Zunächst war noch der Eindruck erweckt worden, dass es sich lediglich um eine stichprobenartige Kontrolle handeln sollte. Die Ultras von Werder Bremen ließen die Kontrolle nicht über sich ergehen und reisten vorzeitig und ohne Stadionbesuch nach Bremen zurück. 

Nach unseren Beobachtungen der Grün-Weißen Hilfe wurden jedoch zumindest zeitweise alle als Werder-Fans erkennbaren Personen einer Identitätsfeststellung unterzogen, körperlich durchsucht und individuell abgefilmt. Das erfolgte Abfilmen stellt eine erkennungsdienstliche Behandlung dar, für die nach Auffassung der Grün-Weißen Hilfe unter keinem denkbaren rechtlichen Gesichtspunkt eine Rechtsgrundlage erkennbar ist. Gegenüber Vertreter*innen der Grün-Weißen Hilfe und anderen Fans verweigerte die Polizei trotz mehrfacher Nachfragen eine Begründung der weitreichenden Maßnahmen. Es wurde lediglich mitgeteilt, dass es nicht um die Aufklärung von Straftaten, sondern um allein präventive Gründe gehe.

Begründung der Polizei Wolfsburg zum Polizeieinsatz gegen Werder-Fans 

Im Pressebericht nimmt die Polizei Wolfsburg wie folgt Stellung: 

Polizei Wolfsburg zu den polizeilichen Maßnahmen am Bahnhof beim gestrigen Fußballspiel gegen SV Werder Bremen

Am 06.08.2022 wurde in Wolfsburg in einem begrenzten Zeitfenster eine Kontrollstelle auf Grundlage des Niedersächsischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes (NPOG) eingerichtet. Zielrichtung war die Abwehr einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit, insbesondere die Abwehr einer schweren Gesundheitsgefahr durch den Abbrand von gesundheitsgefährdender Pyrotechnik in eng verdichteten Menschenmengen. Auch das Auffinden von Aktiv- und Passivbewaffnung (z.B. Schlagwerkzeuge, Zahnschutz usw.), die in körperlichen Auseinandersetzungen rivalisierender Risikogruppen regelmäßig zu Einsatz kommt, war Ziel dieser Maßnahme. Die Polizei Wolfsburg als auch die Polizeibehörde Bremen stuft das Verhältnis beider Fanlager als rivalisierend ein. Die Spielbegegnung VfL Wolfsburg - SV Werder Bremen wurde durch die Polizei als sog. Rot-Spiel eingestuft. Dies wurde dem Verein VfL Wolfsburg bereits am 11.07.2022 mitgeteilt. Die Anordnung der Kontrollstelle fußte darüber hinaus auf konkreten polizeilichen Erkenntnissen, dass eine Vielzahl an Personen sog. Risikogruppen solche pyrotechnischen Gegenstände mit sich führen und deren Abbrand insbesondere auch in den Zuschauerblöcken der Volkswagen-Arena anstreben würden. Es handelte sich somit um eine präventive Maßnahme der Gefahrenabwehr und nicht um eine repressive Maßnahme der Strafverfolgung, die sich erst nach dem Auffinden verbotener Gegenstände oder einer bereits eingetretenen Verletzung von Menschen hätte anschließen können. Diese polizeiliche Bewertung wurde dann durch das konkrete Anreiseverhalten dieser Risikogruppen am Spieltag noch einmal untermauert. Die Anordnung der dann am Hauptbahnhof Wolfsburg eingerichteten Kontrollstelle erlaubte im Hinblick auf die Abwehr der oben genannten schweren Gesundheitsgefahr sowohl die Personalienfeststellung, als auch die Durchsuchung der in der Kontrollstelle angetroffenen Personen und ihrer mitgeführten Sachen. Gleichwohl wurden diese Maßnahmen in einem stark differenzierenden und abgestuften Verfahren durchgeführt. Personen, die nicht den Risikogruppen zugeordnet werden konnten, konnten den Bahnhof sofort nach ihrer Ankunft ohne weitere polizeiliche Maßnahmen verlassen und ihren Weg in Richtung Volkswagen-Arena oder in das sonstige Stadtgebiet fortsetzen. Dies betraf ausdrücklich auch deutlich erkennbare Fans des SV Werder Bremen, die ohne polizeiliche Kontrolle und teilweise völlig ohne polizeiliche Begleitung die Volkswagen-Arena erreichten. Auch Personen, die den Risikogruppen zuzuordnen waren, setzten nach erfolgter abgestufter Kontrolle ihren Weg in die Volkswagen-Arena fort. Die polizeilichen Maßnahmen wurden sowohl über Lautsprecher, als auch persönlich durch die eingesetzten Polizeikräfte an alle Personen an der Kontrollstelle deutlich kommuniziert. Darüber hinaus bestand zu keiner Zeit ein Zwang, sich den polizeilichen Kontrollmaßnahmen zu unterziehen. Personen, die eine solche Kontrolle für sich ablehnten, konnten entweder unkontrolliert am oder im Bahnhof verbleiben oder auch ihre Reise einfach fortsetzen. So entschieden sich dann auch ca. 270 Personen der Risikoszene dazu, die Rückreise nach Bremen anzutreten. Unabhängig von der Kontrollstelle, wurde erkennbaren Risikopersonen aufgrund einer individuellen Gefahrenprognose der Aufenthalt in der Innenstadt temporär untersagt, um ein Aufeinandertreffen mit Risikogruppen des rivalisierenden Vereins zu verhindern, was deutschlandweit und auch in Wolfsburg seit Jahrzehnten so praktiziert wird. Diese Personen wurden in polizeilicher Begleitung zur Volkswagen-Arena geleitet. Die Kontrollmaßnahmen verliefen insgesamt vollkommen entspannt und störungsfrei. Alle Fans, welche die polizeiliche Kontrolle durchliefen, erreichten rechtzeitig die Volkswagen-Arena, wo neben der Wolfsburger Anhängerschaft ca. 4.200 Bremer Fans einen spannenden und sicheren Bundesligaauftakt ohne den Abbrand jedweder gesundheitsgefährdender Pyrotechnik erlebten. Der Polizeivizepräsident der Polizeidirektion Braunschweig, Roger Fladung, begleitete das Auftaktspiel: "Ich hatte Gelegenheit, den Einsatz zu begleiten und auch am Bahnhof die polizeilichen Maßnahmen zu beobachten. Nach Hinweisen, dass mit der Zuganreise eine Gruppe von Personen in Wolfsburg eintreffen wird, die an diesem Spieltag im Stadion Gefahren durch das Abbrennen von Pyrotechnik verursachen werden, war es im Interesse der Sicherheit und der Gesundheit Unbeteiligter notwendig und richtig, bei Ankunft der Anreisenden abgestuft Kontrollmaßnahmen durchzuführen, das heißt Sichtkontrolle, Durchsuchungen bei einzelnen Personen, Identitätsfeststellungen bei polizeilichen Feststellungen. Die Durchsagen der Polizei vor Ort haben die Maßnahmen erklärt und es war nach meinen Beobachtungen ein ruhiger, geordneter Ablauf. Die Mehrzahl der Personen hat die Kontrollstelle anschließend in Richtung Stadion verlassen, eine Gruppe von ca. 270 Personen hat von dort freiwillig die Rückreise angetreten.

Wir werden in der Nachbereitung mit den Vereinen und Sicherheitsbeauftragten Gelegenheit haben, die Informationen und Bewertungen, die kurzfristig zu dieser polizeilichen Maßnahme geführt haben, auszutauschen. Uns verbindet die Gewährleistung der Sicherheit und eine störungsfreie Durchführung der Großveranstaltung."

Die Grün-Weiße Hilfe kritisiert die polizeiliche Maßnahme und den Umgang mit den Gästen scharf. Demnach habe es für die Maßnahme keinerlei Anlass gegeben. Die Begegnung war als sog. "Grün-Spiel" mit dem geringsten Sicherheitsrisiko bewertet worden. Da die Werder-Fans ohnehin am Stadioneingang kontrolliert werden würden, ist diese zusätzliche Kontrollstelle als Schikane der Polizei einzustufen. Der Polizeieinsatz füge sich in ein Schema von Repression und sicherheitspolitischem Aktionismus ein, dem sich Fußballfans immer wieder ausgesetzt sehen. Sich frei bewegen zu dürfen, gehört zu den Bürgerrechten, die auch Fußballfans nicht ohne hinreichende Begründung abgesprochen werden dürfen.

Die Grün-Weiße Hilfe ruft alle Werder-Fans dazu auf, sich gegen die Missachtung ihrer Rechte zu wehren und eine solche Behandlung nicht zu akzeptieren. Dem SV Werder sind wir dankbar für seine couragierte Haltung, die in schnellen, klaren und konsequenten Statements ihren Ausdruck fand. Die Fanhilfe wird die Rechtmäßigkeit der Polizeimaßnahmen genauestens prüfen und rechtliche Schritte einleiten. Wir bitten alle Werder-Fans, uns hierbei zu unterstützen, indem ihr uns eure Beobachtungen zu den heutigen Geschehnissen über das dafür eingerichtete Formular mitteilt.

» Zur Grün-Weißen Fanhilfe «

Bildquelle Titelbild: zollhaus-bremen.de

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Gründung: 04.02.1899
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