In den vergangenen Tagen häufen sich die populistischen Statements der Innenminister zum Thema "Pyrotechnik". So ließen sich vor der Innenministerkonferenz in Magdeburg (28.-30. November) Peter Beuth (Hessen), Holger Stahlknecht (Sachsen-Anhalt) und Herbert Reul (NRW) zu folgenden Aussagen hinreißen:
Somit könnte das Zünden von Pyrotechnik zukünftig mit Haftstrafen geahndet werden. Bisher stellt das Abbrennen von Pyrotechnik lediglich eine Ordnungswidrigkeit dar.

Dabei wird außer Acht gelassen, dass in der vergangenen Saison 2017/18 laut dem ZIS-Jahresbericht lediglich 53 Verletzungen durch Pyrotechnik herbeigeführt werden - bei 21,03 Millionen Zuschauern in den ersten drei Profiligen. Statistisch gesehen wird man im Stadion somit mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,00025% durch Pyrotechnik verletzt. Zum Vergleich: durch Pfefferspray wurden 141 Personen verletzt.
Es gibt also kaum ein Großevent, das sicherer als ein Stadionbesuch ist. Daher stellt sich die Frage, ob die Innenminister keinen anderen Probleme zu besprechen haben. Vor den Innenministerkonferenzen wollen sich die Innenminister häufig als 'harte Hunde' in Szene setzen und zeigen, was sie für die Sicherheit tun. Darüber hinaus sollen derartige Forderungen abschreckend wirken, obwohl eine Haftstrafe nach der Auffassung von Juristen lediglich eine 'Ultima Ratio' - also das letzte Mittel - darstellen soll.

Neben zahlreichen Spruchbändern in den Kurven kritisierten auch die Fanorganisationen Unsere Kurve und ProFans die Forderungen der Innenminister. Demnach seien die Forderungen im Dialog zwischen Fans, Vereinen und der Politik nicht zielführend. Auch müsse man zwischen dem Zünden und Werfen von Pyrotechnik differenzieren. So könnten Werfer von Pyrotechnik mit dem Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung strafrechtlich belangt werden.
Immer häufiger müssen Politiker und Verbände feststellen, dass sich die Pyrotechnik selbst durch intensiven Kontrollen nicht aus den Stadien verbannen lässt. So versuchen der DFB, die Polizei und die Politiker das Abbrennen von Pyrotechnik weiter zu kriminalisieren. Statt auf Repression sollte man vielmehr auf ein intelligentes und deeskalierendes Konzept setzen. Dies wäre beispielsweise mit einem kontrollierten (legalen) Abbrennen von (kalter) Pyrotechnik oder durch einen Dialog auf Augenhöhe möglich.