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Grünes Licht der Politik 3.550 vom 05.05.2020, 07:05 Uhr


Bundesliga setzt Saison am 16. Mai fort

vom 05.05.2020, 07:05 Uhr

Die Bundesliga soll trotz zahlreicher infizierter Profis und starker Kritik aus den Kurven demnächst fortgesetzt werden. Die Politik hat der Bundesliga für einen möglichen Restart Mitte Mai grünes Licht gegeben.

Bund und Länder haben sich am heutigen Mittwoch darauf verständigt, dass der Ball in der Bundesliga wieder rollen kann. Nur wenige Stunden nach dem "Go" der Politik hat die DFL beschlossen, dass die Saison ab dem 16. Mai fortgesetzt werden soll. 

An jenem Samstag soll die Bundesliga unter anderem mit dem Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - wieder eröffnet werden. Sky zeigt die Samstags-Konferenz der Bundesliga sowie der Sonntagskonferenz der 2. Bundesliga auf dem Sender Sky Sport News HD im Free-TV. 

Der "neue" Spielplan der DFL sieht derzeit zwei englische Wochen vor. Der neue Spielplan soll bei Bedarf jedoch flexibel angepasst werden: aufgrund von möglicher Corona-Erkrankungen und Quarantäne-Verordnungen könnte es zu einigen Spielabsagen - bzw. verschiebungen und weiteren englischen Wochen kommen. 

Leere Tribünen: Ab 15. Mai soll die Bundesliga mit Geisterspielen fortgesetzt werden | Bildquelle imago/Stepniak

Die DFL setzt dabei auf das von der "Task Force Sportmedizin / Sonderspielbetrieb" entwickelte Hygiene-Konzept, welches von der Politik offenbar als Basis für die Fortsetzung der Bundesliga akzeptiert wird und zahlreiche Covid-19-Tests von Spielern, Trainern und Betreuern. 

Wie die DFL am Montag bekannt gab, wurden in einer ersten Testreihe von 1724 Corona-Tests im Umfeld der 36 Clubs 10 Personen positiv auf das Covid-19-Virus getestet. Unabhängig von der Wiederaufnahme des Spielbetriebs sollen bei den Mannschaften zwei Corona-Tests pro Woche durchgeführt werden. 

Die aktiven Fanszenen kritisieren seit geraumer Zeit, dass die DFL die Bundesliga mit Geisterspielen fortgesetzt werden soll und forderten in einer Stellungnahme Quarantäne für den Profi-Fußball

Spruchband des Schwabensturm zu den Plänen der DFL | Bildquelle www.blog.schwabensturm02.net

Inzwischen hat sich auch das Fanbündnis Unsere Kurve zu Wort gemeldet und die Positionen der aktiven Fans zu möglichen Geisterspielen veröffentlicht. 
In der Stellungnahme heißt es: 

Unsere Positionen zu möglichen Spielen ohne Fans

"Die Entscheidung über eine mögliche Fortsetzung der Saison 2019/20 obliegt weiterhin der Politik und den entsprechenden Behörden. Sie sind aufgefordert, eine unabhängige und umsichtige Entscheidung zu treffen. Sollte die Politik beschließen, Profifußballspiele ohne Publikum zuzulassen, bleibt für uns klar: Fußball ohne Fans kann nur eine vorübergehende Erste-Hilfe-Maßnahme zum Abschluss der Saison sein, um die finanzielle Existenz von Vereinen zu sichern. Dies aber nur dann, wenn umgehend notwendige Reformprozesse eingeleitet werden.

Zu einer möglichen Fortsetzung der Saison werden bereits relevante Fragen zur Gestaltung der Spiele außerhalb des Rasens öffentlich diskutiert. Weil die Diskussion über diese Fragen bereits in vollem Gange ist, positionieren wir uns schon vor einer Entscheidung der Politik zu drei wesentlichen Aspekten. Diese Positionierung stellt keine positive Wertung einer möglichen Wiederaufnahme der Saison ohne Publikum dar.

1. Spiele ohne Fans bleiben gespenstisch und unattraktiv. Eine künstliche Aufwertung verbietet sich. Fankultur kann nur von Fans ausgehen.
In der Diskussion um Spiele ohne Publikum wird klar: Ohne Fans fehlt dem Fußball sein Herz und damit die Emotionen, die ihn einzigartig machen. Fankultur kann nur von Fans ausgehen. Ein Ersatz der Präsenz von Fans und deren Stimmung ist zu keiner Zeit eine akzeptable Alternative. Wir stellen uns geschlossen gegen Versuche, künstlich eine Stadionatmosphäre herzustellen, beispielsweise durch elektronische Maßnahmen oder Apps. Ein grundsätzliches Verbot künstlicher Stimmung würde diesen Bestrebungen einen klaren Riegel vorschieben. Eine mögliche Repräsentation von Fans in den Stadien muss lokal ausgehandelt werden, sich aber in Grenzen halten. Dabei gilt: Kritik und Protest müssen immer möglich sein, auch und gerade dann, wenn kein Publikum zugelassen ist. Tribünen dürfen zu keiner Zeit als Werbeplattform missbraucht werden. Denn die Ränge gehören den Fans. Egal, ob die Stadien ausverkauft oder leer sind. Fankultur und Fankurven sind und bleiben unantastbar.

2. Fans sind kein Sicherheitsproblem, weder in Zeiten von Corona noch in anderen Zeiten.
Aktive Fans zeichnen sich nicht erst seit Corona durch die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung aus. Regelmäßige Spendensammlungen für den guten Zweck, Kampagnen für sozialverträgliche Eintrittspreise, Aktionen gegen Rassismus und Diskriminierung sowie Hilfestellung für den eigenen Verein sind hinreichend dokumentiert. Auch in Zeiten von Corona sind es aktive Fans, die unmittelbar lokale Hilfsaktionen ins Leben rufen und solidarisch handeln. Die Unterstellung, dass aktive Fans behördliche Auflagen des Gesundheitsschutzes unterlaufen würden, weisen wir entschieden zurück. Stattdessen empfehlen wir erneut eindringlich den Aufbau belastbarer Dialoge vor Ort in den Vereinen. Nur in regelmäßigen Gesprächen können die Stimmungslage, die Interessen und die Bedürfnisse von aktiven Fans erschlossen werden. Würden überall belastbare Dialoge bestehen, wäre die Frage nach potenziellen Menschenansammlungen hinfällig gewesen. Die Kriminalisierung aktiver Fußballfans muss endlich aufhören.

3. Potenzielle Geisterspiele müssen für diejenigen zugänglich gemacht werden, die sie sehen wollen. Für eine freie TV-Ausstrahlung dieser Spiele.
Fußball findet im Stadion statt. Fans sind von diesem Ereignis aus Gründen des Gesundheitsschutzes ausgeschlossen, wenn es zu einer Fortsetzung der Saison kommt. Deshalb müssen die Fans, die dies wollen, Spiele im Fernsehen verfolgen können. Allerdings sind Kneipenbesuche zum gemeinschaftlichen Fußballschauen mit hoher Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft nicht möglich. Fans bleibt daher nur die Option, in den eigenen vier Wänden die Spiele zu sehen. Der Abschluss eines Pay-TV-Abonnements darf dabei für niemanden zum Zwang werden. Aus diesem Grund fordern wir die Verbände auf, Lösungen für eine freie TV-Ausstrahlung potenzieller Spiele ohne Publikum zu finden."

 

Bildquelle Titelbild: SVEN SIMON/IMAGO

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