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Der Antrag ruht Momentan. Die DFL will die Statuten anpassen vom 05.02.2018, 10:36 Uhr


Kind übernimmt Hannover 96 vorerst nicht

vom 05.02.2018, 10:36 Uhr

Eigentlich wollte die DFL am 31. Dezember 2017 bekannt geben, ob Martin Kind die Mehrheit von Hannover 96 übernehmen darf. Laut Tagesspiegel und BILD-Zeitung zeichnete sich ab, dass die DFL den Ausnahmeantrag zur Aufhebung der 50+1 Regel ablehnen wird. Demnach sollte Martin Kind die Übernahme der Stimmenmehrheit bei Hannover 96 verweigert werden. Der Bild-Zeitung sollten Insider-Informationen vorliegen. Heute wollte die DFL turnusmäßig über den Antrag von Martin Kind entscheiden. Allerdings teilte Kind heute mit, den Antrag vorerst ruhen zu lassen. Die DFL hingegen kündigte direkt an, die 50+1 zu überprüfen und ggf. anzupassen: " Aus Sicht des DFL-Präsidiums erscheint es zweckmäßig, in den kommenden Monaten die Formulierung und Umsetzung der 50+1-Regel zu überprüfen und dabei zu erörtern, wie wichtige Prinzipien der gelebten Fußball-Kultur in Deutschland zukunftssicher verankert werden können und ob gleichzeitig neue Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen sind." 

Möglich scheint, dass Kinds Entscheidung keinesfalls dem Zufall geschuldet ist. Die DFL wollte den Antrag ablehnen, Kind hingegen drohte mit Klage, die vieler juristischen Meinungen zufolge durchaus Erfolgsaussichten hätte. Was dem Fußball-Fan Momentan als "Erfolg für die 50+1 Regel" verkauft wird, könnte tatsächlich ein abgekartetes Spiel sein. Zu erwarten wäre eine Neuregelung der 50+1 - Regel, die Martin Kind die Übernahme von Hannover ermöglicht und gleichzeitig die Klage verhindert. Die DFL betonte jedoch, dass dieser Diskussionsprozess unabhängig vom weiteren Vorgehen von Hannover 96 und Martin Kind erfolge. Weder im Blick auf diese Diskussionen, noch mit Blick auf mögliche Inhalte einer eventuellen Neuregelung gebe es irgendwelche Zusagen an den Klub.

Die 50+1 Regel: 15 von 18 Bundesligavereinen haben ihre Profiabteilung in Kapitalgesellschaften ausgegliedert. Lediglich Schalke 04, der SC Freiburg und der FSV Mainz 05 werden noch in der Rechtsform des "eingetragenen Vereins" geführt. Die 50+1 Regel besagt, dass  die Vereine in den ausgegliederten Gesellschaften mindestens 50 % plus einen Stimmenanteil besitzen müssen und somit alleinige Entscheidungsmacht haben. So soll verhindert werden, dass Investoren die Vereine übernehmen und nach Belieben regieren. 

Choreo des Schwabensturm 02 in Mainz zur Erhaltung der 50+1 Regel | Bildquelle www.cannstatter-kurve.de

Ausnahmeregelung: Derzeit profitieren Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und die TSG 1899 Hoffenheim von einer Ausnahmeregelung. Die Statuten der DFL sehen eine Ausnahme vor, wenn der Verein "20 Jahre ununterbrochen erheblich gefördert" wurde. 

Nun wollte der Hörgerätehersteller und langjähriger Präsident von Hannover 96 Martin Kind eben von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen. Die DFL soll in einem Schreiben den Begriff "erheblich" präzisiert haben. Demnach müsse das finanzielle Engagement mit dem eines Hauptsponsors vergleichbar sein. Da Kind diese Forderung nicht erfüllt, wäre die Übernahme nach aktuellen Statuten wohl gescheitert.

96-Fans befürchten Machtübernahme durch Martin Kind | Bildquelle imago

Martin Kind hat im Vorfeld jedoch bekannt gegeben, dass er im Falle einer Niederlage gegen die Ablehnung des Antrags klagen wolle. Experten zweifeln, dass die 50+1 Regel mit geltendem EU-Recht vereinbar sei und gehen davon aus, dass sie durch eine Klage zu Fall gebracht werden könnte. 

Die aktive Fanszene von Hannover 96 protestiert seit Langem gegen die Übernahmepläne von Martin Kind. Die Nordtribüne Hannover boykottiert seit dem ersten Spieltag die Stimmung. Während zu Beginn der Saison die "tolle Stimmung ohne Ultras" noch gelobt wurde, zeigt der Stimmungsboykott zunehmend Wirkung: Am vergangenen Spieltag beschwerte sich 96-Coach André Breitenreiter noch über die schlechte Stimmung im Niedersachsenstadion. Zuletzt wurden die Forderungen zum Erhalt der 50+1 Regel durch eine Demonstration mit mehr als 2000 Teilnehmern zum Ausdruck gebracht und ein 50-seitiges Positionspapier an die DFL übersandt.

Proteste der Hannover-Fans | Bildquelle imago

In diesem Schreiben wird Martin Kind unter anderem vorgeworfen, dass er zu Ungunsten des Vereins gehandelt haben solle. Beispielsweise sollen Markenrechte des Vereins im Wert von rund 10 Mio € für nur 12.750 € an die KGaA übertragen worden sein. Außerdem kritisiert das Bündnis "Pro Verein 1896" das fehlende Demokratieverständnis von Martin Kind: Dieser hat den Ausnahmeantrag gestellt, obwohl bei der Mitgliederversammlung 71 % dafür gestimmt haben, dass über den Antrag auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung abgestimmt werden sollte. 

 

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